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Tolstoi: Für Alle Tage |
Tolstoi - Für Alle TageAls ich ein junges Mädchen war von etwa 15 Jahren, las ich auch Krieg und Frieden. Eine schrecklich wunderbare Liebesgeschichte war das, und wie sehr habe ich mit Natascha gelitten. Viele Jahre später habe ich dann begriffen, was für ein großartiges historisches Panorama der Roman liefert und wie sehr Tolstoi die politische Intriganz und Selbstherrlichkeit der politischen Oberschichten seiner Zeit bloßstellt. Dass er kurz vor seinem Tod aber seine Frau und seine Familie vollständig enterben und seinen gesamten Besitz demVolk übereignen wollte, fand ich zwar bewunderungswürdig aber er wurde mir dadurch auch verdächtig. Wer war dieser radikale, anarchische Moralist, der - und damit ist er höchst aktuell - den Kapitalismus und den Kommunismus, etablierte Religion ebenso wie rationalistische Nichtgläubigkeit ablehnte? In "Für Alle Tage" findet sich an jedem Tag des Jahres eine ausgesuchte Sammlung von kurzen Texten. Er bringt moralische Fragen auf den Punkt. Da wird nicht räsonniert sondern reflektiert. Man könnte das ganze Werk als die Suche nach der göttlichen Wahrheit bezeichnen, die sich in sämtlichen Religionen und Philosophien offenbart, wenn man nur hinschaut. Wie glaubt man, ohne an Gott zu glauben? Warum glaubt man, ohne an Gott zu glauben? Warum ist es "vernünftig", an Gott zu glauben? Fragen, die sich jeder Christenmensch stellt. Tolstoi Für
alle Tage. Ein Lebensbuch
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