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Reportagen

    " Wir möchten Ihnen ein paar gute Geschichten erzählen."

  reportagen-11-01.png   zum Shop: Ursula Kosser - Hammelsprünge reportagen-2zum Shop: Ursula Kosser - Hammelsprünge

Eine neue Zeitschrift die es in sich hat

Reportagen  ist ein neues Zweimonats-Magazin aus der Schweiz

Drauf gestoßen sind wir mit unserer untrüglichen Spürnase für's außergewöhnliche: Die Nullnummer erhielten wir unaufgefordert mit der Post.

Sofort brach Streit aus. Wir streiten uns sowieso immer. Wie Olli-Maus und  Willi-Maus. Aber nur über wichtige Fragen wie z.B. diesmal, wer denn das Reportagen-Heft mit nach Hause nehmen dürfe. Den Streit habe ich -wie immer- für mich entschieden.

Das vielversprechende Äußere (Leineneinband, eigenwillige Grafik) entäuschte nicht mein Inneres: Reportagen, die man auch zweimal  durchliest.

Ich begann  mit Sarah und ich verrate hier nicht, worum es geht, weil sonst der Leser abwinken würde („nicht schon wieder, kenn' ich langsam zur Genüge“) - Nichts da. Ich wollte das Heft nicht weglegen und bin noch immer sehr berührt. Eine Tatsachengeschichte mit viel O-Ton, doch keine „Bottroper Protokolle“, wenn die noch jemand kennt, nein, etwas ganz anderes, echtes, ausgewählt-authentisches und schnörkelloses.

Dann Irrland. - Das ist ja Nauru direkt vor unserer Haustür ! Unglaublich zu welchen Exzessen "die Irländer" fähig sind. Die saufen nicht nur, sondern konsumieren bis zum Umfallen. Was dort geschehen ist, ist  das Spiegelbild von Nauru, der kleinen Pazifikinsel, die vom Reichtum überschwemmt wurde (siehe Rezension ): „1980 noch lebte ein Drittel aller Iren unter der Armutsgrenze“. Dann kam die EU, dann kam der Euro, dann kamen die billigen Kredite und das Volk beschloß, reich zu werden: Sie bestätigten sich gegenseitig, wie wertvoll doch ihre Häuser seien und wetteiferten darum, geliehenes Geld „gewinnbringend, ganz ohne Risiko“ in Beton, Glas und Vorstadtrasen zu versenken. Zum Shoppen fuhren sie dann – ungelogen - auch mal nach New York.

In Der Kiez bröckelt geht es um Berlin Friedrichshain. Lesen Sie, wie die Friedrichsheinis ihren Kiez ruinieren –  Es sind ja gar nicht die Friedrichsheinis, nein, „Det war doch keener aus Berlin.“ - doch lesen sie selbst !

Weiter Themen: Afghanistan, Argentinien und (als Bench-Mark) Truman Capotes Reportage über Tanger

Die „Reportagen“ sind bemerkenswert unideologisch. Man sucht vergeblich Interpretationen und Wertungen, die der Gutmenschen-Ideologie, dem Liberalismus oder sonst einer wohlfeilen Weltanschauung entsprechen. Natürlich, es gibt keine objektive Reportage, da niemand die objektive Wahrheit erkennen kann. Doch es tut gut, wenn man nicht erzogen wird, wenn sich der Autor wenigstens bemüht, frei zu sein. Das geschieht hier. Und das beste ist: Man liest gerne weiter.

Auch wenn sich die Redaktion auf ihrer Website das feministisch-verblödete große „I“ (wie ÜbeltäterInnen) nicht verkneifen kann.(wk) zum Shop: Ursula Kosser - Hammelsprünge


Verlag: Puntas Reportage AG
als Bettlektüre: geeignet
Preis 15.-€ bzw. 20.- Schweizer Fränklis
Seitenzahl 128
Einband: flexibles Leinen
Ansicht: macht Appetit
erhältlich: bei uns und latürnich beim Verlag