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Nauru, die verwüstete Insel - Wie der Kapitalismus das reichste Land der Erde zerstörte

Der Untertitel dieses Buches macht neugierig. Die Lektüre beantwortet die aufgeworfene Frage allerdings nicht - eigentlich müßte es heißen: Wie der Kommunismus zur sittlichen Verwahrlosung der Einwohner Naurus führte. Im gesamten Buch, das übrigens die Ewartung auf den üblichen anklägerischen Singsang der revolutionären Gutmenschen enttäuscht, findet sich kein Hinweis darauf, daß es nun ausgerechnet der Kapitalismus war, der dem Land den Ruin brachte.

Aufgrund der Phosphat-Vorkommen wurde Nauru zum reichsten Land der Erde. Das Land war so reich, daß der Staat den Einwohnern sogar das Reinigen der Toiletten bezahlte; was dazu führte, daß niemand mehr arbeitete und das Geld vom Staat und von den Einwohnern mit vollen Händen rausgeschmissen wurde.

Kapitalistisch ist daran nur, daß der Staat nicht alles selbst verzockte, sondern daß die Einwohner reichlich partizipierten."Nauru ähnelt einem kleinen, kollektivistischen Land...-alles gehört dem Staat....der Bevölkerung fehlt es an nichts."(S.39f).

Die Sozialstrukturen gingen kaputt, die Leute verlernten sogar das Kochen und Laufen, sie wurden fetter und fetter, Diabetes wurde zur Volksseuche.

Sie konnten also mit dem Geld nicht umgehen. Die staatlichen Investitionsvorhaben im Ausland scheiterten sämtlich. Die Einwohner ihrerseits ließen bei Autopannen ihre Wagen einfach stehen und kauften sich einen neuen.

Das Land ist kein Lehrstück über den Kapitalismus, sondern über die schädlichen Auswirkungen unverhofften Reichtums. Bei uns erleiden Lottogewinner ein ähnliches Schicksal. Die freie Assoziation der Individuen, wie sie sich kommunistische Träumer erhoffen, hier wäre sie möglich gewesen. Das Gegenteil trat ein: Die Befreiung von der Notwendigkeit des Seins ließ die  Kultur  verkümmern, die Leute  vereinzelten.

Der Autor Luc Folliet schiebt dieses desaströse  Ergebnis  auch auf die winzige Größe des Gemeinwesens Nauru - ein paar Tausend Einwohner nur. Korruption habe dadurch besser gedeihen können, da jeder Einwohner einen Verwandten in der Regierung hatte. Doch das Gegenteil ist richtig: Je größer und anonymer ein Staat ist, desto heimlicher und nachhaltiger breitet sich Korruption aus. Wenn die Einwohner nicht persönlich an der Regierung beteiligt gewesen wären, dann hätten sie garnichts erhalten, sondern wären Opfer des Nepotismus einer kleinen Minderheit geworden. Dem Autor, einem wohltuend zurückhaltenden linken Ideologen, schwebt erkennbar ein Staat mit einer unangreifbaren, aufgeklärten Elite vor, die für die unwissenden Einwohner den Reichtum gerecht verwaltet. Fehler machen gilt da nicht, davor bewahrt uns die Obrigkeit. Und die selbst ist dem Weltgewissen oder sonst einem ungreifbaren Ethos verantwortlich.

Das Buch ist sehr lesenswert. Es ist prima geschrieben und es ist ein Lehrstück über Kommunismus ohne Zwang. Sich für seinen Lebensunterhalt anstrengen zu müssen, hat auch sein gutes.

ISBN: 978-3-8031-2654-2

                             

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